Grundfragen

Gentechnologie, Saatgutrecht u.ä. in Landwirtschaft und Gartenbau

Moderator: Blütenmehr

Roroge
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Beitrag von Roroge » 30.04.2008, 20:21

Ich glaube, Hendrik hat in diesem Sinne, Stein des Anstoßes Recht, wenn Gärtnern Politisch macht- durch die Philosophie!
Denn das Denken ist die grösste Waffe des Menschen und zugleich seine letzte Freiheit und die älteste überhaupt.
Meiner Meinung begann das schon mit dem Recht zum freien willen- der freien Entscheidung (ich muss den Apfel nicht essen, aber ich will es so!)

Viele sagen als Gärtner ist man glücklicher.
Liegt es daran, das wir der Schöpfung näher sein können, als manche Couchpotatoes? Und uns dann trotzdem wie kleine Kinder freuen, weil etwas so läuft wie wir es uns erhofft haben- obwohl alles seinen eigenen Rhytmus hat und uns eigentlich gar nicht bräuchte?
ist es die wunderbare Erkenntnis, die Freude an den kleinen Dingen, die uns sensibler für andere Sachen machen und somit unser politisches Handeln beeinflussen?
Liegt es vieleicht auch daran, das man als Gärtner häufig arbeitsbedingt vor der Schöpfung niederkniet, und sie so aus einem anderen Blickwinkel sieht? - Trotz das man sie bearbeitet und versucht sie sich soweit es geht gefügig zu machen?

Hendrik
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Beitrag von Hendrik » 30.04.2008, 21:59

Ui, Roroge,

das hat wirklich Tiefgang. Vor der Schöpfung niederknien... so habe ich das noch nicht wirklich betrachtet.

Ich denke, daran anknüpfend, dass wir als "bewusste Gärtner" Respekt vor der Schöpfung haben und wissen, dass Nahrung nicht selbstverständlich im Supermarkt erhältlich ist. Etwas zu essen, was man selbst angebaut hat, zeigt uns, wie viel Arbeit in allem steckt, und dass diese Arbeit nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Ich glaube, wir sind dankbarer für die Früchte (im wahrsten Sinne des Wortes) unserer Arbeit. Auch ist unser Bezug zur Natur viel intensiver. Sie ist es ja letztendlich, von der wir her kommen und die uns ernährt.

Viele Grüße

Hendrik

margot
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Beitrag von margot » 03.05.2008, 22:48

vor der Schöpfung niederknien - das hat mich doch sehr nachdenklich gemacht... ............
Sind nicht Schnecken, die wir am liebsten ausrotten würden auch Teil der Schöpfung?
Bei abendlichen Rundgängen durch den Garten kam mir schon oft der Gedanke, dass ich ja morde und ich eines Tages dafür zur Rechenschaft gezogen werden könnte...........

Der Gedanke ob Gartenarbeit politisch ist beschäftigt mich derzeit noch - ich bin bisher zu keinem Ergebnis gekommen, obwohl mir diese Frage täglich durch den Kopf geht.

nachdenkliche grüsse aus der Rhön
margot

forumadmin
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Beitrag von forumadmin » 04.05.2008, 06:25

hi Roroge
Liegt es vieleicht auch daran, das man als Gärtner häufig arbeitsbedingt vor der Schöpfung niederkniet, und sie so aus einem anderen Blickwinkel sieht?
danke für diesen Gedanken, so hab ich es noch nicht gesehen, aber da ist was dran. Ja, Gärtner stehen in direktem Austausch mit der Natur - wir stehen mitten drin im Rhythmus der Natur.
LGLudwig

Roroge
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Beitrag von Roroge » 23.05.2008, 15:52

Alles im Leben basiert auf Bewegung. Selbst wenn es für das menschliche Auge scheinbar stillhält, so sind einfach nur unsere Augenblicke nicht schnell genug. Genau wie unsere Gedanken.
Ein Einfall, eine Idee enspringt uns, und wir teilen sie unseren Mitmenschen mit. Freunden, Nachbarn, oder eben anonymen Leuten in Internetforen mit Interessenverbindung. Wir mögen darüber nachgedacht und es anderen mitgeteilt haben, und dann ist erstmal Ruhe. Scheinbar. Denn in den anderen Köpfen lebt dieser Gedanke weiter. Er verändert sich, er wächst, und ist immer in Bewegung, auch wenn er wieder weitergegeben wird. So ist nichts im Stillstand, manchmal sehen wir die Bewegung nicht, weil wir sie eben nicht sehen können. So müssen wir reden, uns austauschen, um die Bewegung zu erleben.
Auf diesen Gedanken kam ich auch letzte Nacht.
Beeinflusst Gärtnern politisches Handeln? Oder, vorab Denken?- denn aus diesem entspringt das Handeln?
Ich glaube, das wichtigste an dieser Frage, ist die Frage selbst. Die Frage an sich, an sich persönlich selbst. Das man in sich geht, und sich diese Frage stellt.
Wer von uns ist nicht mit sich selbst zufrieden, wenn die Saat im Boden ist, eigene Früchte geerntet werden können, oder einfach die selbst gezogenen Pflanzen wachsen? Bedeutet Selbstzufriedensein Glücklichsein?
Ist nicht der glückliche Mensch eines der höchsten Güter?
Und was noch viel schlimmer ist- glückliche Menschen sind weniger beeinflussbar. Politisch, Wirtschaftlich usw.

Vieleicht sind die Freude, und das Glück, Antworten auf viele unserer Fragen. Jeder will glücklich sein. Auf der anderen Seite gönnen wir dem muffeligen Nachbar das neue Auto nicht und wünschen ihm einen Hagelschaden. Ich glaube, wir können nicht wirklich glücklich sein, wenn so Negatives aus uns entspringt.
Und das war mein ausschlaggebender Grundgedanke letzte Nacht.
Denn ich habe für mich selbst gemerkt, wenn ich in mir solche Gedanken erst gar nicht zulasse, werde ich glücklicher. Das ist schwierig, denn man muss sehr an und mit sich arbeiten.
Hilfe bekomme ich da quasi vom Garten. Wenn so negative Gedanken aufkommen, vewandle ich mich wie in die Insektenperspektive, und fliege durch meinen Garten, Bereiche die ich nicht sehen kann, stelle ich mir vor. Oder ich versuche sie gedanklich nachzubilden. Ich weiss nicht warum, aber es macht mich zufrieden und glücklich. Fast glaube ich, nur wirklich glücklich sein zu können, wenn man dieses auch wirklich selbst ausstrahlt in seine Umwelt. Und dieses Glück umgibt einen dann.
Wobei ich wieder beim springenden Punkt bin: Der Garten macht mich glücklich! Dadurch verändert sich meine Denkweise und ich bin in gewisser Hinsicht weniger gesellschaftlich eingebunden und abhängig, dadurch verändert sich mein Handeln.
Und schwupps, verändert man dadurch, wenn auch nur wenig seine Umwelt, die Familie, die in diesem Gedankengut wächst, oder Fremde, denen man es mitteilt, und die an den Ursprüngen der Veränderungen teilhaben oder sie aufnehmen und sie selbst verbreiten!







:wink:

margot
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Beitrag von margot » 25.05.2008, 08:55

hallo roroge,
du hast genau den Punkt getroffen.
Für mich ist innere Zufriedenheit auch die Grundlage des Glücklichseins, und glückliche Menschen sind weniger manipulierbar. So gesehen könnte Gärtnern - weil es (manche) Menschen glücklich macht - politisches Denken und Handeln beeinflussen.
Und - du hast recht - das Wichtigste ist, sich mit einer Frage auseinanderzusetzen, sie anderen Menschen mitzuteilen und damit - vergleichbar mit einem Stein, den man ins Wasser wirft, und der immer größere Kreise zieht - Bewegung in menschliche Denkmuster zu bringen.
Überhaupt - die Erkenntnis, dass alles in Bewegung ist, Schwingungen aussendet, die wir empfangen können wenn unsere "Antennen" dafür sensibilisiert sind - hilft uns, die Schöpfung besser zu verstehen. Vielleicht knien wir deshalb manchmal davor nieder!

Danke, roroge, dass du uns so tiefe Einblicke in deine Gedanken gewährst, ich betrachte es als echte Bereicherung in diesem Forum!

margot

Roroge
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Beitrag von Roroge » 26.05.2008, 14:32

Ja wirklich- tiefe Einblicke!
Alles ist in Bewegung.
Margot, während ich deine Antwort las, hat meine Tochter hinter mir auf den Teppich gepinkelt. Schmunzel.

margot
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Beitrag von margot » 29.05.2008, 22:20

hallo, roroge, nimms nicht so tragisch, der teppich kanns schon mal verkraften, irgendwann lernt sie auch, dass man woanders pipi machen kann.
margot

Roroge
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Beitrag von Roroge » 30.05.2008, 18:43

Ja. Den Blumentopf kennt sie auch schon...

margot
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Beitrag von margot » 01.06.2008, 23:03

naja, was sonst könnte es auch bei Euch sein????????????
Ich habe einen alten Steingut-Nachttopf als Blumenübertopf, vielleicht solltest Du Dir auch einen zulegen :wink:

Mayabluemchen
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Re: Grundfragen

Beitrag von Mayabluemchen » 31.03.2009, 16:46

Zum Thema Grundfragen:
Ich war neulich im Drogeriemarkt meiner Wahl und bin am Saatgutständer vorbeigekommen. Da muss ich dann immer schauen, was es interessantes gibt.
Zu meinem Entsetzen gibt es vom Bioverband "Demeter" F1-Hybrid-Saatgut. Da war ich doch echt geschockt!
Gruß
Maya

Martin
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Re: Grundfragen

Beitrag von Martin » 31.03.2009, 19:47

Zu meinem Entsetzen gibt es vom Bioverband "Demeter" F1-Hybrid-Saatgut. Da war ich doch echt geschockt!
Gruß
Maya[/quote]


Warum? Ich lehne zwar F1-Saatgut auch ab, aber nicht aus gärtnerischen, sondern aus ideologischen Gründen. Wenn jemand nur eine gute Ernte haben möchte, sind F1-Hybriden gute Leistungsträger. Hobby-Gärtnern, die völlig unideologisch nur eine gute Ernte wollen, kann ich F1-Sorten nur empfehlen, und wenn sie "bio" sind, um so mehr.
Warum ich F1-Sorten für mich ablehne, ist die ideologische Seite: Der Gärtner kann eine F1-Sorte nicht mehr selber weiter vermehren, sondern muß jährlich sein Saatgut nachkaufen. Wie bei Drogen wird der Anbauer vom Dealer abhängig gemacht. Und genau das stört mich: Ich will keine Abhängigkeit und ich will keine optimierten Sorten, die womöglich mehr Dünger, Wasser oder chemischen Pflanzenschutz für die hohen Erträge brauchen. Ich will robuste Sorten, die mit Widrigkeiten gut selber fertig werden und nehme dafür gern in Kauf, nur die halbe Menge oder deutlich kleinere Pflanzen/Früchte ernten zu können.
Aber ich kann es gut akzeptieren, wenn jemand mit entsprechendem Einsatz hohe Mengen ernten will und dafür höhere Preise fürs Saatgut bezahlt. Wenn man keine Samen ernten will und die Abhängigkeit vom Dealer akzeptiert, ist auch Demeter-F1-Saatgut in Ordnung.
Ich verfalle daher angesichts von F1-Sorten nicht in ideologische Schockstarre, sondern plädiere viel mehr für Aufklärung und Information über Vor- und Nachteile. Der aufgeklärte, mündige Bürger kann dann selbst entscheiden, was für ihn selbst am besten ist. Das halte ich für sinnvoller, als eine Mauer der Ablehnung aufzubauen. Polarisierung mag den inneren Zusammenhalt eines Lagers zwar festigen, kann aber schwer die Gegner missionieren. Dazu bedarf es sachlicher Argumentation mit überzeugenden Fakten, aber auch Akzeptanz gegenteiliger Meinungen.
Ich denke, die Zeit ist vorbei, daß sich "Bio" und "Öko" durch Polarisierung positionieren mußte. Inzwischen gibt es genug Argumente, unser Anliegen kommunikativ und nicht konfrontativ zu vertreten. Und F1 und "Bio" läßt sich nun mal durchaus kombinieren, auch wenn ich dies nicht für wünschenswert halte.
Also bitte kein Entsetzen: Auch Bio-Gärtner brauchen leistungsfähiges Saatgut und das sind F1-Sorten nun mal oft - in der 1. Generation zwar nur, aber wem das reicht, dem soll das auch angeboten werden dürfen.

Pragmatische Grüße,

Martin

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