Vollkorn schlecht für die Verdauung ?

Und was fängt man nun mit der reichen Ernte an?
Bienchen
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Re: Vollkorn schlecht für die Verdauung ?

Beitrag von Bienchen » 16.03.2010, 14:09

Schön, dass ihr hier weiter diskutiert habt ! Ich würde nämlich wirklich gerne wissen, was die ideale Zusammensetzung der Ernährung für den Menschen ist.

Also soweit ich es weiß, sind Menschen, wie auch Affen oder Schweine :) , tatsächlich Alllesfresser. Martin hat recht, ihr Gebiss ist sowohl für den Fleisch- als auch für den Pflanzenverzehr geeignet.

Ich habe übrigens besagte Lactose-Intoleranz, mein Körper reagiert auf Milchzucker wie auf ein Gift. Ich bekomme von Milchzucker schlagartig heftigen Durchfall, Magenkrämpfe und muss mich übergeben. Milchzucker kommt übrigens nicht nur in Milch, sondern auch in unglaublich vielen Nahrungszubereitungen (Tütensuppen, Soßen, Gebäck und allen möglichen anderen Fertigprodukten...) als Zusatz vor. Ich glaube auch, dass Milch eigentlich nur für (Kuh-)Babys gedacht ist und nicht für (erwachsene) Menschen. Die Asiaten kommen ja auch ohne Kuhmilch und deren Produkte aus.

Aber zurück zur guten Zusammensetzung der Nahrung. Bestimmt kann man sich auch rein pflanzlich ernähren ohne an Mangelerscheinungen zu leiden, aber dann muss man eben darauf achten, denke ich, dass man sich möglichst vielseitig ernährt und eben nicht einseitig (Getreidegrütze...). Und ich bin überzeugt, dass man bei bestimmten Erkrankungen mit einer ausgeklügelten Diät viel erreichen kann.

Ausgegangen bin ich aber davon, dass ich gelesen hatte, dass in den Randschichten der Getreidekörner zu deren Selbsterhalt Giftstoffe enthalten sind, die die Verdauung beinträchtigen, wenn man zuviel davon issst (was ja immer noch nicht geklärt ist...). Mir fiel jetzt noch ein, dass die Menschen als erste Kulturpflanzen ja nicht Getreide angebaut haben, sondern Leguminosen, also Erbsen, Linsen, Bohnen u.ä. Die sind ja wohl sehr gut zur Ernährung geeignet, denn sie enthalten auch sehr viel Eiweiß (siehe Soja --> Tofu bei den Asiaten). Wer also genug Hülsenfrüchte isst, kann auch als Veganer darüber seinen Eiweißbedarf gut decken. Das wäre dann auch wieder ein Hinweis dafür, dass wir heute tatsächlich einen zu hohen Anteil an Kohlehydraten
in der Nahrung haben und eigentlich mehr Eiweiß bräuchten !?!


LG Bienchen

Martin
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Re: Vollkorn schlecht für die Verdauung ?

Beitrag von Martin » 16.03.2010, 19:58

Bienchen hat geschrieben:Mir fiel jetzt noch ein, dass die Menschen als erste Kulturpflanzen ja nicht Getreide angebaut haben, sondern Leguminosen, also Erbsen, Linsen, Bohnen u.ä.
LG Bienchen
Nicht ganz richtig. Getreide war früher dran: Emmer um 8000 v.Chr., Gerste um 10500 v.Chr., Einkorn 7500 v.Chr., Weizen 7000 v. Chr., Reis 8000 v.Chr., Roggen 6600 v.Chr.
Hülsenfrüchte kamen später: Erbse 8000 v.Chr., Linse 7000 v.Chr., Bohne 6000 v.Chr., Soja 3000 v.Chr. Einzig in Amerika sind Bohnen (6000 v.Chr.) vor Mais (4700 v.Chr.) nachgewiesen.
Wie lange zuvor die Wildarten genutzt und kultiviert wurden, bis sie sich soweit verändert hatten, um heute als Kulturform identifiziert werden zu können, läßt sich nicht sagen.
Letztendlich hat sich aber in allen Kulturzentren die Kombination von Getreide und Hülsenfrüchten durchgesetzt.

Liebe Grüße,

Martin

forumadmin
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Re: Vollkorn schlecht für die Verdauung ?

Beitrag von forumadmin » 17.03.2010, 14:41

Diese Zahlen die Martin nennt kenne ich auch so - wobei das nicht für die gesamte Menschheit gilt - noch heute gibt es Jäger- und Sammler-Kulturen. Und auch in unseren Breiten hat man mehr oder weniger bis in unsere Zeit hinein noch gesammelt und gejagt wird auch noch. Und die Menschen aßen dann auch nicht nur Weizen und Bohnen, sondern diese waren die ersaten Kulturpflanzen die vom Menschn in Kultur genommen wurden während er noch weiter sammelte und jagte. Als Kind ging ich noch "in die Blaubeeren". Himbeeren und brombeeren wurden wild gesammelt ebenso wie Pilze.
Noch bis vor 100 jahren wurden vereinzelt in Deutschland zwei Wildgtreide gesammelt, die meist zu süssem Brei verarbeitet wurden, das ist der Mannaschwaden in feuchten Gebieten und in Waldgebieten das Flattergras. Wir können davon ausgehen, dass unsere Jäger und Sammler-Vorfahren wesentlich mehr Vielfalt auf dem Teller hatten als dann die folgenden Ackerbaukulturen. Aber auch diese nutzen noch mehr Kräuter als wir heute. Allerdings nutzten natürlich nicht alle alles, sondern regional unterschiedlich je nach dem was in der Gegend wuchs LGLudwig

Bienchen
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Re: Vollkorn schlecht für die Verdauung ?

Beitrag von Bienchen » 21.03.2010, 13:25

Ich glaube, wir kommen der Sache immer näher. Getreide hatte also früher einen wesentlichen geringeren Anteil an der Ernährung als heute. Wenn ich nur daran denke, was heute an Brot, Brötchen, Kuchen, Toastbrot, Baguette und Nudeln verzehrt wird, ist der Anteil von Geteide in der Nahrung sehr hoch.

Ich muss doch nochmal weiter googeln (dabei benutzte ich "Forestle" als Suchmaschine...), was nun die ideale Zusammensetzung ist.... und warum.... :roll:

LG Bienchen

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Re: Vollkorn schlecht für die Verdauung ?

Beitrag von Wühlmaus » 07.10.2010, 20:56

Das Thema Vollkorn ist ein heikles Thema und wurde erst in den letzten Jahren richtig publik gemacht. Getreide als Vollkorn ist für den Menschen nicht gesund, teilweise nur, wenn es richtig zubereitet wurde - also echte Sauerteigführung oder als ganzes Korn keimen lassen.
Ansonsten haben die Menschen schon seit Urzeiten das vorhandene Getreide "gemahlen", also die Hülle mühevoll entfernt und für andere Zwecke genutzt - niemals zum Verzehr. Das kam erst aus Volks-Sättigungsgründen in diesem Jahrhundert. Kennt jemand Quellen, wo belegt ist, dass die Menschen freiwillig das Vollkorn gegessen haben? Die Müller haben sich seit Jahrtausenden nicht umsonst die Mühe gemacht. Ich rede hier wirklich nur von Getreide, nicht von Hülsenfrüchten /Ölsaaten. Nicht ganz so schlimm ist es bei Dinkel oder Hafer, der als sogenanntes "Vollkorn" angeboten wird. Dieses Getreide hat noch eine zweite, äußere Hülle, die vorher entfernt wurde und somit die schädlichen Substanzen.Schlimm ist es, wie schon den Kinder mit den ganzen Müslis der Darm geschädigt wird und viele Allergien entstehen. Getreide sollte, wie alle Lebensmittel, in Maßen gegessen werden und die so angeprießenen "wichtigen Stoffe" der Hülle gibt es bei gesunder, abwechslungsreicher Ernährung in anderen Lebensmitteln. Ich habe auch eine Studie, wo die ganzen Stoffe in den verschiedenen Getreidearten wissenschaftlich und real untersucht wurden. Schlimm, wenn soetwas verkauft werden darf und das Wissen unserer Vorfahren dem Profit zum Opfer fällt.

forumadmin
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Re: Vollkorn schlecht für die Verdauung ?

Beitrag von forumadmin » 08.10.2010, 08:25

Getreide war in jedem Kulturkreis zusammen mit einer Leguminose die Basis der Sesshaftwerdung. Und zwar deshalb, weil beides einfach über eine erntefreie Zeit hinaus gelagert werden konnte, somit entfiel die Notwendigkeit, der Nahrung hinterher zu wandern (Winterzeit im Norden oder Trockenzeit im Süden).

Zum Thema Vollkorn: Ganzkornbrot ist nicht Vollkornbrot.

Früher wurde (bei Spelzgetreide wie Einorn, Emmer und Dinkel) das Korn gemahlen und der Spelz herausgesiebt, aber sicher nicht von Anfang an, da die Menschen die Siebe erst später entwickelten. Deshalb setzten sich auch seit den Römern die Nackt-dreschenden Getreide durch, da hier der Spelz (wie bei Einkorn, Emmer und Dinkel) nicht mühsam entfernt werden musste. Nacktdreschende Weizenformen sind sinscaja bei der Einkorn-Reihe, Hartweizen, Rauweizen, Orientalischer Weizen und polnischer Weizen bei der Emmer-Reihe sowie Saatweizen Und Kugelweizen bei der Dinkel-Reihe. Für Nudeln wird vor allem Hartweizen genutzt. Für die Brotherstellung verwendet man Saatweizen, da die Sorten dieser Weizenart mehr Gluten enthalten. Das spelzfreie Korn wurde dann gemahlen aber nicht geschält, das heißt das volle Korn mit Haut wurde gemahlen und verarbeitet, daraus entsteht das "Vollkorn-Brot" im Gegensatz zum Ganzkorn-Brot und im Gegensatz zum Brot, bei dem die meiste Kleie (Kornhaut) des Mehles ausgesiebt wurde. Vollkornmehl hat die höchste Zahl bei der Typbezeichnung der Mehle, bei Weizen bis 1600, bei Roggen bis 1740, diese Zahl gibt den Aschewert (Mineralien) einer Probe an. Da die meiste Asche aus der Kornhaut entsteht, zeigt diese Zahl an wieviel Kleie (Kornhaut) ausgesiebt wurde, bei dem 405er Mehl ist fast nur noch Stärke des Korn-Mehlkörpers enthalten. Der Keim wurde sowiso entfernt, da er die Lagerfähigkeit des Mehles einschränkt.

Übrigens gibt es auch bei Hafer und Gerste "nackte" und "Spelz"formen.

LGLudwig

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