Grundfragen

Gentechnologie, Saatgutrecht u.ä. in Landwirtschaft und Gartenbau

Moderator: Blütenmehr

forumadmin
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Grundfragen

Beitrag von forumadmin »

Ist Gartenarbeit ein politischer Akt? Was ist in diesem Bereich politisch - gesellschaftpolitisch relevant? Wer hat eine Frage zur Saatgutgesetzgebung -
zur Gentechnik oder zur Züchtungsarbeit?
LGLudwig

Cordula
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Beitrag von Cordula »

Ist Gartenarbeit ein politischer Akt?
Interessant, so habe ich das noch nicht betrachtet. Es ist aber so. Wer sein eigenes Gemüse anbaut, verweigert sich der Konsumgesellschaft. Und "hinterzieht" damit Steuern. Schwächt damit das politische System. Und übt damit politische Arbeit aus.

Darf ich mich jetzt überhaupt noch als "politisch uninteressiert" bezeichnen?

forumadmin
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Beitrag von forumadmin »

Gartenarbeit hat ganz sicher etwas mit der Gesellschaft zu tun und ist damit schon politisch - abgesehen von den Gesetzen etc. - wer das Saatgut kontrolliert, der kontrolliert den gesamten landwirtschaftlichen und gärtnerischen Bereich - das haben die großen Konzerne schon mit der grünen Revolution in die Wege geleitet und mit der Hybridzüchtung weitergeführt - der letzte Schritt ist die Gentechnik
LGLudwig

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EduardLucas
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Politisches gärtnern

Beitrag von EduardLucas »

Freut mich das hier sehr interresante themen angsprochen werden, meiner meinung seh ich gärtnern/selbstversorgen nicht unbedingt als direkten politschen akt, sondern mehr als "sand im getriebe" der nicht im system vorgesehen war, aber sich auch nicht so leicht beseitigen lässt, deshalb erfreue ich mich immer mehr sobald ich sehe das jemand etwas selbst macht, ermutige auch mehr menschen dies auch zu tun!

da ich mich selbst als politisch absolut NICHT-interresiere, kann ich deshalb gärtnern auch nicht als politschen akt betrachten. Als hobby-gärtner sehe ich mich nicht als politiker aber auf jeden fall gesellschaftlich tätig.
-=[Cur moriatur homo cui Salvia crescit in horto?]=-

Nicola
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Beitrag von Nicola »

Ich glaub, das muss man noch differenzieren. Die Masse der Hobbygärtner dient und bedient ja die Lobby der großen konventionellen Züchter, selbst wenn sie dann versuchen, ohne Insektizide und synthetische Dünger auszukommen (sofern die im Supermarkt gekauften Sorten überhaupt ohne das Zeug auskommen). Sand ins Getriebe streuen wohl nur die, die sich ihr Saatgut zum einen selbst nachbauen oder eben wirkliches Biosaatgut kaufen, zum anderen aber aktiv gegen die sortenreduzierenden und selbstanbauverhindernden konventionellen Züchter Stellung beziehen bzw. zumindest im Bekanntenkreis Werbung für korrektes Saatgut machen.

kaluliha
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Beitrag von kaluliha »

Kann man überhaupt unpolitisch, also neutral sein?

Man kann zwar sagen, ich interessiere mich nicht für Politik, aber man handelt doch ständig irgendwie ( ob bewußt oder unbewußt) politisch.
Z.Bsp. was kaufe ich wo, in welcher Schule melde ich die Kinder an usw...
Man entscheidet sich immer für oder gegen was.

Das sind zwar alles nur 'Sandkörner', aber wie heisst es:
Der Mann, der anfing kleine Steine wegzutragen war der, der den Berg abtrug.

forumadmin
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Beitrag von forumadmin »

Kaluliha
Der Mann, der anfing kleine Steine wegzutragen war der, der den Berg abtrug.
ja das gefällt mir

Viele meinen halt man könnte das was man im Garten anbaut doch viel einfacher und billiger im Laden kaufen - nun wenn man nicht auf Qualität achtet, mag das stimmen. Und die Vielfalt gibt es dort auch nicht - wer fragt im Supermarkt denn schon nach speziellen Möhrensorten? Allerhöchstens existiert ein Sortenbewusstsein noch bei Äpfeln und Kartoffeln speziell nach den Lindaaktinen" der letzen Jahre.

LGLudwig[/quote]

Cordula
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Beitrag von Cordula »

Ich liebe alte Gemüsesorten! Mein Mann wird regelmäßig wahnsinnig, wenn ich ihm erzähle, was wir später alles essen werden. Ganz entsetzt sieht er mich an, denn auch die sogenannten Unkräuter sind ja oft eßbar! Und einige werde ich auch anziehen und bei uns im Garten verwildern. Man weiß ja nie, was die Zukunft bringt...

Und wie viele verschiedene Sorten es gibt! Ich bin ganz fasziniert...

BO
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Beitrag von BO »

"Ist Gartenarbeit ein politischer Akt?" So manches der neuen "Bundestagsgebäude" würde sich auf jedenfall bestens zum Anbau von Gewächshauspflanzen eignen.
Ob Gartenarbeit politisch ist? Ich würde sagen ja, wenn ich den kulturellen Aspekt auch noch vor die politische Frage stellen würde.
Ohne das, was Gartenarbeit ist, gäbe es wohl keine Kultur, die sich über politische Systeme zu organisieren versucht. Wären unsere Vorfahren der ausgehenden Altsteinzeit nicht auf die Idee "Gartenarbeit" gekommen und hätten sie nicht erste Wildgewächse domestiziert, wäre wohl nie ein Grundstein für die Entwicklung von so genannten "Hochkulturen" gelegt worden.
Warum wir beim Biss in eine saftig rote Tomate nicht zwangsläufig die 10 000 Jahre Gartenarbeit die es bedurfte schmecken, das wäre eine interessante politische Frage.

Rainer Sachs
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Ja Gartenarbeit ist ein politischer Akt

Beitrag von Rainer Sachs »

Hallo,

Gartenarbeit ist für mich ein politischer Akt.

Wenn viele Menschen ihr eigenes Gemüse, in Bio-Qualität, anbauen und es nach Möglichkeit auch noch vermehren erzielen sie folgende Effekte:

- Der Absatz an konventionell angebauten Gemüse oder gar gentechnik-veränderten Pflanzen bei den Discountern geht zurück.

- Wenn ein paar Millionen Gärtner so handeln würden, hat das Auswirkungen auf das Einkaufverhalten der Discounter: Es werden verstärkt Bio-Produkte von ihnen nachgefragt. Folge ist: mehr Bio-Bauernhöfe, mehr Bio Saatgut, weniger Pestizide und Insektizide die eingesetzt werden und somit eine gesündere Umwelt.

- Viele alte Kultursorten dürfen nicht mehr gehandelt werden, weil sie nicht auf der entsprechenden EU Liste stehen. Das hat zur Folge, das diese Pflanzen aussterben. Aber im privaten können diese Pflanzen weiter vermehrt und verbraucht werden. Somit heisst Gartenarbeit auch Erhaltung der Umwelt.

Mit grünen Grüßen :D
Rainer

Gelsa
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Jawoll

Beitrag von Gelsa »

Das sehe ich genauso, ja, für mich ist gärtnern das politischste überhaupt, was mensch tun kann und natürlich eine Familie zu gründen und liebevoll zu pflegen, so wie einen Garten....

danle
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Wann wird Regenwasser politisch?

Beitrag von danle »

Ich sehe Gartenarbeit eigentlich nicht als politische Angelegenheit. Ich sehe es mehr als persönliche Einstellung, Hobby oder Teil einer lebensfähigen Philosophie. Allerdings kann man etwas Politisches daraus machen. Und das ist mir im letzten Jahr sprichwörtlich passiert, folgendermaßen:
da es im letzten Sommer so oft regnete, habe ich angefangen, mein Regenwasser aus dem Garten mitzunehmen, in eine 1 12 Liter Flasche gefüllt und mein Zyperngras damit gegossen. Diese Handlung fing in meinem Kopf an zu arbeiten und zu rechnen. Daraus entstand der "Regenwasserpate". (bitte nachlesen: www.regenwasserpate.de - wäre sonst zu lang hier)
In der Folge (oder besser Wunschvision) sehe ich tausende Menschen, die sich an einem Punkt innerhalb der Gesellschaft treffen (nämlich Regenwasser zu sammeln). Sollte dies einen einschlägigen Erfolg haben, müssten sich Wasserbetriebe Gedanken machen, da sich der Druck in den Rohren nicht ändern darf, wahrscheinlich auch Wasserbedarf berechnet wird, bei Wassereinsparungen der Umsatz der Betriebe sinkt - werden dann wieder Menschen entlassen?? - an diesem Gedankenfaden wäre es dann schon sehr politisch - einfach nur wegen einer Flasche abgefülltes Wasser.
Jetzt, wo die Gartensaison anfängt, gehe ich damit an die Öffentlichkeit und möchte viele Menschen ansprechen und sie bewegen, mitzumachen!

Herzliche Grüsse
Daniela :)

Hendrik
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Beitrag von Hendrik »

Hallo,

ich denke schon, dass Gärtnern ein politischer Akt ist. Also nicht unbedingt die Gartenarbeit, aber die Einstellung zum Leben und der Natur überhaupt, die sich darin äußert, ist politisch. Wenn diese Einstellung durch das Gärtnern zum Ausdruck gebracht und damit für andere sichtbar wird, dann ist dieser Akt politisch, klar auch philosophisch, wie bereits gesagt wurde. Aber Philosophie ist in irgendeiner Form immer auch Politik.

Witty
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Beitrag von Witty »

Moin und Hallo!

@Danle:

In Hannover führte der bewußtere Umgang der Bevölkerung mit Trinkwasser zu:
1. - einem Mehrverbrauch und
2. - einer Preissteigerung.

Argumentation der Wasserwerke (frei übersetzt): Da die Wasserleitungen für einen bestimmten Verbrauch berechnet sind, müssen bei nachhaltig niedrigem Verbrauch die Leitungen gespült werden, was zu Mehrverbrauch (Spülwasser) und Mehrarbeit führt. Damit erklärt sich dann auch die Preiserhöhung.....

Von mir kein Kommentar dazu

mieze
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Beitrag von mieze »

und in Folge wird in vielen bundesdeutschen Grossstädten jetzt auf das Regenwasser Kanalgebühr erhoben, da, so die Argumentation:" ...auch dieses Wasser letztendlich gereinigt und in den Trinkwasserkreislauf zurückgeführt werden muß.."

Ich habe mittlerweile den Eindruck, wir werden nicht mehr von Notwendigkeiten, sondern nur noch von Eigeninteressen einzelner regiert.
Der Gemeinschaftsgedanke in ökologischem Rahmen, so wie du ihn verfolgst, Danle, hat mittlerweile sehr wenig Chancen und verlangt unglaublich langmütigen Kampfgeist (und Moneten). Aber du hast recht, ich seh das genauso, man sollte trotzdem nie etwas unversucht lassen und gute Ideen auch handelnd umsetzen. Immerhin leben wir nicht jeder allein und angeblich in einer Demokratie.....

Grüssle Uli
"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Exupéry

Großrollerfahrer aus Leidenschaft.
Die sinnlichste Art der schnellen Fortbewegung.
Mein Forum:www.tmaxforum.de

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