Saatgut kaufen und auf eigene Nachzucht verzichten?

Züchtungsfragen für private Nutzer
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Raritätenhamster
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Saatgut kaufen und auf eigene Nachzucht verzichten?

Beitrag von Raritätenhamster » 19.04.2008, 10:01

seit vielen Jahren ziehe ich die meisten meiner Sorten selber nach. Anbau, genaue Planung, Chargen-"Buchhaltung" und Dokumentation sind mit einigem Aufwand verbunden, dafür erhält man mit der Zeit lokal angepasste Sorten.

Nun ist es ja seit einigen Jahren so, dass wieder viel mehr, auch relativ seltene Sorten im Handel erhältlich sind, teilweise sogar in Supermärkten. Ich würde deshlab schwierigere Nachzuchten wie Kürbisse, Mais, teilweise auch 2-jährige Sorten ganz gerne den Profis überlassen. Bild

Die Frage ist nur, ob das Angebot auch so bleibt, oder ob weniger nachgefragte Sorten so plötzlich wieder aus dem Angebot verschwinden könnten wie sie aufgetaucht sind? Auf Grosskonzerne würde ich mich diesbezüglich nicht verlassen, aber auch Erhaltungsbetriebe müssen ja die Gratwanderung zwischen Ökologie und Ökonomie irgendwie schaffen. Wie seht ihr das? Und wie sichert ihr Eure Sorten ab?

@admin: sorry falls ich hier am falschen Ort bin, war mir nicht sicher wo's hingehört :oops:

salvia
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Re: Saatgut kaufen und auf eigene Nachzucht verzichten?

Beitrag von salvia » 19.04.2008, 13:57

Hallo Raritätenhamster.
Ich sehe und praktiziere es genau, wie wie du.
Allerdings muß ich mich bei manchen Techniken der Samengewinnung noch weiterbilden. Z. B. meine Tomatensamen durch Verhütung sortenrein halten. Hatte bisher keine Kreuzungen bemerkt. Da ich aber auch übers Net in einer Börse tausche, wird dies ein immer wichtigeres und interessanteres Thema.
Meine Tauschaktionen vor Ort gehen selten über die Nachbarschaft hinaus.
Entweder stoß ich auf Desinteresse, weil sie die "alten" Pflanzen nicht kennen und die Leute sind dann sehr skeptisch. Auch selten bereit, mal auszuprobieren. Oder haben eh ein ganz anderes Spektrum an Pflanzenarten/ Gartenvorstellung etc. als ich.
Meine Nachfrage, bzw. mein Angebot an Samen bei der ortsansäßigen BUND-Gruppe hat bisher leider noch keine Antwort ergeben.

Den Produkten und Geschäftsinteressen von großen Saatgutkonzernen stehe ich sehr skeptisch gegenüber. ( s. Monsanto)

Allerdings unterstütze ich auch Dreschflegel oder Arche, da ich deren Arbeit, Wissen, Produkte unbedingt für unterstützenswert erachte. Denen überlaß ich auch gerne die kniffligeren Samen. :lol:
Gruß Salvia

forumadmin
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Beitrag von forumadmin » 20.04.2008, 15:10

Hallo - wir haben bei Dreschflegel da noch keine genaue Regelung - jeder baut das nach was ihm am Herzen liegt - oder aber was auf seinem Betrieb am besten gedeiht - wir wollen ein vielfältiges Angebot und da sind natürlich Sorten dabei, die kaum laufen, aber ins Sortiment gehören - wir haben eine Arbeitsgruppe, die sich Gedanken um das Sortiment macht und darauf achtet dass keine wichtigen Arten fehlen.

Die Ökonomie ist noch mal ein Bereich für sich, die Nachfrage ist da nur ein Punkt unter anderen viel wichtigeren Aspekten. Z.b. ist das Wetter Faktor Nummer eins, wenn ich kein oder kaum handelbares Saatgut erzeuge mach ich ein Minusgeschäft. Ein anderer sehr wichtiger Punkt ist die Menge an Saatgut die ich pro Pflanze und pro qm ernte. Da liegen z.B. die Leguminosen ganz unten, der Stundenlohn der leguminosen zählt zu den niedrigsten. Dann kommt dazu die Zweijährigkeit, wenn ich eine Sorte zwei Jahre betreue bis ich Samen ernte verteilt sich der Ertrag halt auch auf zwei Jahre. Dann kommt dazu, dass ich bei Fremdbefruchtern mindestens 50 Einzelpflanzen zusammenstehen haben muss, damit keine Inzuchterscheinungen auftreten, das braucht viel Platz und bringt viele Samen, die ich u.U. gar nicht loswerde bevor sie ihre Keimfähigkeit verlieren.

Naja das sind nur so einige Aspekte, wenn ihr noch weotere Fragen habt, nur zu.

LLudwig

Raritätenhamster
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Beitrag von Raritätenhamster » 21.04.2008, 11:31

Hallo, danke für Eure Antworten!
Salvia, Desinteresse an alten Sorten konnte ich nicht feststellen, mir scheint eher, dass sie seit einigen Jahren richtig in Mode gekommen sind und sich Leute darum reissen. In der Schweiz werden zB einige Sorten einer Erhaltungsorganisation auch in Supermärkten verkauft, Samen und Gemüse. Die alten Sorten sollen so wieder allgemein zugänglich gemacht werden und nicht nur in Genbanken vor sich hinschlummern. Ist ja einerseits erfreulich, andererseits frage ich mich eben, wie lange dieser Trend anhält.

Ludwig, Deine Ausführugen zur Ökonomie fand ich sehr interessant! Im Hobbygarten sehe ich nur, dass sich (natürlich ausschliesslich aus finanzieller Sicht!!) eigene Anzucht und Saatgutgewinnung absolut nicht lohnen, bei den einfacheren Sorten nicht, und schon gar nicht bei Fremdbefruchtern. Platzbedarf und Isolationsaufwand sind sehr hoch, und wer will in seinem Hobbygarten schon zB 50 Kürbisse derselben Sorte haben? Aber vor Jahren gab es eben keine andere Möglichkeit, als relativ mühsam die nichthybriden Sorten in aller Welt zusammen zu suchen und selber alles nachzuziehen, manchmal halt mit nur 2 statt 50 Pflanzen. So gesehen leben wir zur Zeit im Sorten-Schlaraffenland, hoffentlich bleibt das auch so!

Hendrik
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Beitrag von Hendrik » 18.05.2008, 20:44

Raritätenhamster,

du erwähnst die 50 Kürbisse... Wir haben da eher das Problem, dass unsere Gartennachbarn Fans von Zierkürbissen sind und wir darum leider bereits vor der Verarbeitung unserer Früchte testen müssen, ob es ungenießbare bis giftige Kreuzungen gab.

Viele Grüße

Hendrik

Raritätenhamster
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Beitrag von Raritätenhamster » 19.05.2008, 09:16

Hendrik hat geschrieben:Wir haben da eher das Problem, dass unsere Gartennachbarn Fans von Zierkürbissen sind und wir darum leider bereits vor der Verarbeitung unserer Früchte testen müssen, ob es ungenießbare bis giftige Kreuzungen gab.
wie weit weg sind denn die Nachbarn? Als Mindest-Isolierabstand wird für Kürbisse 250 m angegeben, aber wenn Du sie offen abblühen lässt, besteht wohl immer eine gewisse Kreuzungsgefahr

kaluliha
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Beitrag von kaluliha » 19.05.2008, 11:11

Also da muß ich jetzt nochmal genau nachfragen:
Ich möchte am Kompostzaun dieses Jahr Zierkürbisse wachsen lassen. Und auf dem Kompost wieder Kürbis. Und die können sich dann Kreuzen. Wirkt sich das dann nur auf das Saatgut aus oder auch schon auf meine Ernte dieses Jahr?

forumadmin
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Beitrag von forumadmin » 19.05.2008, 18:59

Hallo Kalihua - bei der Kreuzung kommt fremdes Genmaterial in den Samen, aber ist dann noch nicht in der Frucht. Die Eigenschaften der Kreuzung zeigen sich dann erst im jahr danach. Aber es wär nützlich zu sehen ob es überhaupt zu Kreuzungen kommen kann. Denn Kürbisse kreuzen nur in einer Gruppe - also C. pepo kreuzt z.B. mit C. pepo, aber nicht mit C. maxima, C. moschata oder C. ficifolia. Die unterschiedlichen Gruppen kann man gut am Fruchtstiel unterscheiden.

LGLudwig

kaluliha
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Beitrag von kaluliha » 20.05.2008, 06:09

Danke für die Antwort, Ludwig. Mein Hokkaido zählt zu C.maxima und Zierkürbisse glaube ich zu C.pepo, richtig? Dann dürfte nicht viel passieren. Und wenn es nächstes Jahr Riesen-Zierkürbisse gibt werde ich Euch berichten. :wink:
Viele Grüße von Silke!

forumadmin
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Beitrag von forumadmin » 20.05.2008, 14:10

Hallo Silke - ja der Zierkürbis, den wir anbieten ist ein pepo - aber du musst auch bedenken, dass die Zucchinis pepos sind! Und die Nachbarn dürfen auch nix im Garten haben!
LGLudwig

Roroge
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Beitrag von Roroge » 20.05.2008, 19:34

Ich glaube, da bin ich ein wenig zu penibel.
Gerade ich habe den Garten in der entfernten Wildnis ( nur Wald aussenrum und die einzigen, die anbauen), aber ich überlasse da wenig dem Zufall und gehe mit der Klammermethode einher.
Das habe ich vor vielen Jahren mal bei nem Bericht über jemand in Östereich gesehn, der alte Sorten erhält.
Da wird die weibl. Blüte so lang beobachtet, bis sie aufgeht und dann mit einer männl. eingerieben, bzw. betüpfelt und bestäubt und dann mit ner Wäsche klammer vorsichtig zugeklammert.
Da weiss ich das kein fremd Bienlein drin Ferkelschmutz getrieben hat!

forumadmin
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Beitrag von forumadmin » 21.05.2008, 03:54

Ja danke Roroge dass dus erwähnst, am sichersten kann man die Fremdbestäubung ausschließen, wenn man selber die Bestäubung vornimmt und danach die Blüte verschließt, ganz genaue machen den Clip auch schon vorher um die Blüte um sicherzugehen, dass auch kein Insekt uns zuvorkommt. LGLudwig

kaluliha
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Beitrag von kaluliha » 22.05.2008, 06:50

aber du musst auch bedenken, dass die Zucchinis pepos sind! Und die Nachbarn dürfen auch nix im Garten haben!
LGLudwig
Da wird es schon kriminell. Aber diese Klammer-Methode von Roroge hört sich ganz gut an.
Da weiss ich das kein fremd Bienlein drin Ferkelschmutz getrieben hat!
8) :D

Raritätenhamster
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Beitrag von Raritätenhamster » 22.05.2008, 09:09

forumadmin hat geschrieben:am sichersten kann man die Fremdbestäubung ausschließen, wenn man selber die Bestäubung vornimmt und danach die Blüte verschließt
die Blüte wird NACH der Bestäubung verschlossen: bedeutet dies, dass dieselbe Blüte mehrfach (und von verschiedenen Sorten) nacheinander bestäubt werden kann? Und die Samen derselben Frucht dann verschiedene Kreuzungen ergeben können?

forumadmin
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Beitrag von forumadmin » 22.05.2008, 10:20

genau, es können verschiedene Bestäubungen stattdinden, wenn man z.B. Schlangen-Gurken hat, die zur Reife hin auf einer Seite dicker sind, dann sind sie auf dieser Seite befruchtet auf der anderen nicht. Beim Mais sieht man das auch ganz deutlich - da schauen doch aus der Frucht ganz viele Fäden raus, diese werden bestäubt und jeder Faden geht zu einem Korn. LGLudwig

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