Welches Gemüse eignet sich gut zur Vermehrung für Anfänge

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Rainer Sachs
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Welches Gemüse eignet sich gut zur Vermehrung für Anfänge

Beitrag von Rainer Sachs » 15.02.2008, 10:18

Hallo zusammen,

ich möchte auch anfangen eigenes Saatgut zu vermehren. Welche Gemüsearten eignen sich besonders für Anfänger?

Wieviele unterschiedliche Pflanzenarten kann man im Garten vermehren? Was ist realistisch ohne sich dabei zu verzetteln ?

Vielen Dank schon einmal im Voraus für Eure Antworten

Herzliche Grüße
Rainer Sachs

forumadmin
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Beitrag von forumadmin » 15.02.2008, 10:59

Hallo Rainer - am einfahsten sind Leguminosen wie Bohnen, Erbsen, Puffbohnen, auch Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika, Melonen und Kürbis ist einfach - bei letzteren 3 muss man drauf achten dass es keine Einkreuzungen gibt, wenn man sortenrein nchbauen will. Radieschen und Rettich ist schwieriger, weil man die Samenstände stützen muss - Salat darf keinen Regen in die reifenden Samenstände bekommen und zweijährige sind noch recht einfach wenn sie frostfest sind wie Schwarzwurzel und Haferwurz. Am schwersten sind wohl die zweijährigen Möhren und Sellerie wegen der Überwinterung und Kohle wie Blumenkohl und Brokkoli. LGLudwig

Hendrik
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Beitrag von Hendrik » 18.05.2008, 20:52

Hallo Rainer,

ich schließe mich Ludwig natürlich an, habe aber noch einen kleinen Tipp. Wenn du z. B. Tomaten gekauft hast, die besonders lecker sind, hebe dir einfach ein paar Samen auf (im Teesieb waschen und dann trocknen). Meiner Erfahrung nach keimen die ziemlich zuverlässig. Auch Paprika. Allerdings hatten wir mal Samen von Paprika gezogen, der dann zu einer maisähnlichen Pflanze wurde. Weiß der Himmel, was da gentechnisch oder veredelungstechnisch vor sich gegangen ist. Jedenfalls war es einerseits spannend und andererseits auch sehr erschreckend. Blüten oder Früchte hat sie nicht getragen. Am liebsten hätte ich sie nach ihrem Ableben in den Sondermüll gegeben. Auf dem Kompost ist sie jedenfalls vorsichtshalber nicht gelandet.

Viele Grüße

Hendrik

saatgutneuling
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Re: Welches Gemüse eignet sich gut zur Vermehrung für Anfänger ?

Beitrag von saatgutneuling » 06.06.2009, 08:15

Ich bearbeite meinen Garten schon sehr lange allerdings hab ich mich dieses Jahr entschlossen als erstes mal Saatgut zu vermehren. Das Saatgut stammt von dieser Seite und ich würde deswegen gern ein paar Sorten selbst weitervermehren da ich sie sonst nirgends bekommen kann.

Ich dachte an Weißkraut und Zwiebeln.

Allerdings habe ich nun bereits 2 Zwiebelsorten und Blumenkohl,Kohlrabi im Garten stehen.
Ich wollte fragen ob es beim Kraut deswegen Verkreuzungsprobleme gibt , da das Kraut ja erst im 2 Jahr vermehrt werden kann müsste es doch gehen die Krautpflanzen zu ernten und nächstes Jahr dann auf den Anbau bzw. die Vermehrung von Kohlgemüse zu verzichten.

Bei den Zwiebeln bin ich mir auch unsicher , diese blühen ja schon im ersten Jahr. Hilft es etwas wenn ich die Sorte welche ich nicht vermehren will umknicke um die Blütenbildung zu vermeiden ?
bzw. rechtzeitig ernte

Hab mir zwar ein Buch gekauft aber ist eben noch mein erstes Jahr ;)

Desweiteren vermehre ich Mais ( in Reihen durch den Wind ;) ) da bei uns keine benachbarten Maisfelder existieren in km weiter entfernung und Bohnen/Erbsen/Tomaten

Ich hab mir also viel vorgenommen , mal sehen obs etwas wird

Martin
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Re: Welches Gemüse eignet sich gut zur Vermehrung für Anfänger ?

Beitrag von Martin » 07.06.2009, 19:37

Hallo Saatgutneuling,

Mit Kohlgewächsen habe ich selber auch noch keine Erfahrung.

Zwiebeln blühen nicht im ersten Jahr. Es gibt da zweijährige und dreijährige Sorten. Die zweijährigen werden im ersten Jahr ausgesät und erreichen die volle Zwiebelgröße. Im zweiten Jahr pflanzt man die Zwiebeln wieder ein, sie blühen und tragen Samen. Die dreijährigen werden im ersten Jahr ausgesät, werden nicht allzu groß und entsprechend als Steckzwiebeln geerntet, welche dann im zweiten Jahr zur vollen Zwiebelgröße wachsen und im dritten Jahr in Blüte gehen.
Ich hab auch noch nicht viele Erfahrungen mit Zwiebel-Samenbau, aber die, die ich letztes Jahr ausgesät hatte, wurden fast alle nur steckzwiebelgroß und als solche in diesem Jahr verwendet. Vollausgereifte Zwiebeln habe ich dieses Jahr erstmals zum Samenbau eingepflanzt, um eine alte Sorte zu erhalten und Erfahrungen zu sammeln. Zwiebeln sind strenge Fremdbefruchter, so daß mehrere Sorten stets isoliert angebaut werden müssen mit minimum 150 bis 200 m Abstand zwischen den einzelnen Sorten. Um Inzucht (wie heißt das fachmännisch? genetische Depression?) zu vermeiden wird empfohlen, mindestens 15 bis 20 schöne Zwiebeln als Samenträger zu pflanzen. Je mehr, desto besser. Leider habe ich auch nur 4 bis 5 Pflanzen, die Blüten zeigen, aber wenn der Samenbau funktioniert, werde ich in den nächsten Jahren mindestens 20 Pflanzen zur Blüte bringen.

Bohnen, Erbsen und Tomaten sind zwar Selbstbestäuber, aber eine Fremdbestäubung kann man nie zu 100 % ausschließen. Hatte ich zwar bisher nicht, aber ein Restrisiko gibt es immer.
Mais ist Fremdbefruchter, die Pollen können viele Kilometer weit fliegen. Um Handbestäubung zu vermeiden habe ich dieses Jahr einen Monat vor den hiesigen Bauern ausgesät, in der Hoffnung, daß der vorgezogene Mais auch entsprechend früher blüht. Bin bei Mais auch erst Anfänger.

Liebe Grüße,

Martin

forumadmin
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Re: Welches Gemüse eignet sich gut zur Vermehrung für Anfänger ?

Beitrag von forumadmin » 12.06.2009, 18:28

Danke Martin für deine Erklärungen - genau so isses - sollte eine Zwiebel dennoch schon im ersten Jahr blühen, so ist das ein Zeichen für schlechte Züchtungsselektion, man nennt diese Pflanzen Schosser und von diesen dürfen nicht die Samen zur Weitervermehrung genommen werden, weil sonst diese schlechte Eigenschafft in dieser Sorte verstärkt wird.

Der Kohl ist eigentlich zweijährig, außer Blumenkohl und Brokkoli, denn diese blühen ja schon im ersten Jahr, allerdings blühen sie für eine nachfolgende Samenreifung zu spät, so dass sie in unseren Breiten eine zu kurze Vegetationszeit haben und im Winter erfrieren, ohne reife Samen ausgebildet zu haben. Deshalb muss man diese Pflanzen im Herbst vorziehen und frostfest überwintern, damit man so ihre Vegetationsperiode verlängern kann und wieder einen zweijährigen Arbeitsgang draus macht.

Beim Kohlrabi kann man versuchen ihn an geschützten Stellen im Einschlag zu überwintern (mit Stroh geschützt), besser aber in einem Keller, der Licht bekommt, und in der Temperatur bei ca 5 Grad plus liegt. Die Kohlrabi werden dafür mit Wurzelballen ausgegraben und in Sand, Erde oder Sägemehl eingeschlagen.

Bei Fremdbefruchtern geht man in der professionellen Züchtung von 100 Pflanzen aus um keine Inzucht zu provozieren - bei Dreschflegel versuchen wir uns daran zu halten (meist ist man eh drüber) - Minimum sind bei uns 50 Pflanzen - lediglich im Rahmen einer besonderen Selektion bei der Züchtung komt es mal zu Einzelpflanzen-Nachbau mit Nachkommenschaftsprüfung, bei der die beernteten Individuen auch mal unter 50 liegen.

LGLudwig

keichwa
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Re: Welches Gemüse eignet sich gut zur Vermehrung für Anfäng

Beitrag von keichwa » 01.01.2013, 11:12

Ich will nicht schon wieder ein "Thema" aufmachen, deshalb schreibe ich hier eine "Antwort".

In den aktuellen Saaten und Taten (2013) ist mal wieder ein sehr schöner Artikel zum "Samenbau im Hausgarten" ("Salate" von Jens Eichler). Wie's der Zufall so will, habe ich im letzten Jahr auf unserer Parzelle in Frankenhausen bei Kassel (Gemüseselbsternte) Samenträger von Schnittsalat und Bindesalat (Römer) geerntet.

Eigentlich waren die Pflanzen wohl zu spät dran (die Parzellen werden im Mai übergeben), es scheinen aber trotzdem einige Samen reifgeworden zu sein. Mal schauen, was dieses Jahr dabei herauskommt.

Der Schnittsalat (Mischung) gehört zum offiziellen Programm; den Römer hatte ich 2011 beim Dreschflegel bezogen und erst nach dem Abernten der Kohlrabi gepflanzt.
Karl

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