Seite 1 von 1

wieder eine kompostfrage

Verfasst: 24.05.2009, 07:46
von nicole
hallo alle zusammen,
kompost ist ja immer mal wieder thema, :wink:
so auch von mir noch ne frage,
ich habe nen thermokomposter der alles recht schnell verbrät und kaum was übrig lässt,bis dato hab ich immer nur rohe Gemüseabfälle und ab und an etwas häcksel und ein klein wenig grünschnitt hinein gegeben.Geht auch alles andere wie gekochte Abfälle oder Brot?
Es geht mir da um die Mengen aufstockung ( wir sind ein zwei pers haushalt), oder sollte ich mehr Grass reintun...bin da unsicher.Was ist eure Meinung?
vielen Dank
lieben Gruss nicole

Re: wieder eine kompostfrage

Verfasst: 24.05.2009, 11:47
von Michl
Hallo,
ich glaube zum Thema Kompost gibt es so viele Meinungen wie Kompostierer!!! Und jeder meint sein Weg ist der richtige, ist wahrscheinlich auch so...

Wir kompostieren ALLES organischen Ursprungs, gekochte oder rohe Kuechenabfaelle, Gartenabfaelle, Tierdung, selbst Tierkadaver, Fruehgeburt einer Ziege oder das eingegangene Huehnchen....

Aber es kommt halt alles auf die Umstaende an, mit Essensresten kann man sich in manchen Gegenden leicht ein Ratten/Maeuseproblem heranziehen, was sich aber mit einer Katze leicht im Griff halten laesst. Sofern man eine hat...

Ich habe zwei Kompostsysteme:

1. Der Gartenkompost.
In den kommen alle gartenabfaelle, unverbrauchter Gartenmulch, Kuh-, Ziegen-, Huehner-, Hasenmist. Dieser wird einfach aufgefuellt wie das material anfaellt, wenn er voll ist lass ich ihn sitzen und fang einen neuen an. Wenn der erste dann zu meiner Zufriedenheit kompostiert ist siebe ich ihn durch Hasendraht, und alles was da nicht durchgeht kommt in den neuen Haufen und darf nochmal kompostieren.
Um diesen Kompost kuemmere ich mich sogut wie garnicht.
Du kannst dein Volumen erhohen mit was immer du zur Verfuegung hast, solange du halbwegs eine C/N ration von 25-30 : 1 haeltst.


2. Der Klokompost.
Der erfordert saemtliche Aufmerksamkeit und wird staendig Ueberwacht. In den Kompost kommt alles was die meisten Menschen mit der Klospuelung beseitigen. Das "Geschaeft" faellt in einen behaelter, und wird mit zwei Handvoll saugfaehigem Material (Saegemehl, getrockneter Dung, Grasshaechsel...) abgedeckt. Einmal die Woche wird der Behaelter auf den Komposthaufen geleert und dort mit einer Schicht Gruenabfaelle bedeckt und diese wiederrum mit einer Schicht Grassschnitt. Dieser Kompost sitzt dann bei ca. 40-65C.
Der Kompost hat drei Kammern, ist die Erste voll, gehts an die Zweite, dann an die Dritte. Ist die Dritte voll leere ich die erste aus und lasse sie nochmal ca 6 Monate sitzen.
Danach haben wir den besten Kompost den man sich vorstellen kann.
Ich kompostiere unsere Sch....`seit fuenf Jahren, die ersten drei Jahre war das nur von zwei Personen, was super war zum experimentieren und Erfahrung sammeln. Seit zwei Jahren kompostiere ich die "Abfaelle" von 18 Personen, was recht arbeitsintensiv ist, aber sich definitiv lohnt.
Es gibt mittlerweile auch reichlich Literatur zu diesem Thema. Eines der besten Buecher ist "Humanure" von Joseph Jenkins.

Es ist ein leichter Weg sein Kompostvolumen zu erhoehen, und nur weiterzuempfehlen! Macht ja auch nicht wirklich Sinn zu versuchen nachhaltig zu gaertnern, und die ganzen Ertraege nach der Verdauung mit wertvollem Trinkwasser moeglichst weit vom Garten wegzuspuelen.

Viel Spass beim kompostieren,
Michl

Re: wieder eine kompostfrage

Verfasst: 24.05.2009, 21:57
von mieze
hallo michl,
große Bewunderung für dein Recycling!
Ich war der Meinung, daß der menschliche Dung jetzt nicht so sehr für das Gemüse geeignet ist :roll:

Ich hab auch zwei, bzw drei Kompost-Systeme:

Der Thermokomposter wird im Winter befüllt, mit allem, was aus der Küche kommt. Er ruht im Sommer, wird ab und an etwas gegossen und im Herbst wird der Kompost für die Beete entnommen.
Der offene Komposthaufen wird über den Sommer befüllt, mit allem was die Küche hergibt, und die obere Schicht im nächsten Frühjahr in den Thermokomposter gehievt. Der gare untere Teil wandert als Pflanzerdenzusatz in die Saatschalen und die frisch angelegten Gemüsereihen.
Der Grünpflanzenschnitt aus Küche und Garten wandert als Mulch unmittelbar zurück auf die Beete.

Ich kann mich in einem Zweipersonenhaushalt nicht über Mangel an Kompostmaterial beklagen (allerdings haben wir ein 1200 qm großes Grundstück)

Nach den Empfehlungen von Maria Thun sollte ein Komposthaufen an und ab Eiweiß sehen:
bei uns Vegetarierern hilft da schon mal eine Tüte Buttermilch über den Kompost gegossen.
Hornmehl und Guano sind Produkte, die auch Schichtweise guttun, desgleichen ab und an eine Handvoll Steinmehl
und, last but not least, Brennessel. Ich decke gern mal damit den ganzen Kompost ab.
Grasschnitt gebe ich nur in dünnen Schichten drauf, sonst gibt es "Sauerkraut"

Grüssle Uli

Re: wieder eine kompostfrage

Verfasst: 25.05.2009, 13:42
von Pfälzer
Ich würde nichts auf den Kompost schmeißen was Ratten anziehen könnte. Am besten noch Zeugs aus der Küche, das dann schön in der Somme vor sich hingärt. Das geht vielleicht in Norddeutschland, aber wenn das nächste Haus 20 30 Meter neben dem Kompost steht....ich würde mich als Nachbar bedanken wenn ich im Wind stehe.....von den Ratten mal ganz abgesehen ;)

In Mutterstadt z.B. kosten 100 Liter Kompost....irgendetwas um 2 - 2.50€... immer noch billiger als Zement weil die Ratten ein Scheunen/ Hausfundament unterhöhlen.
was sich aber mit einer Katze leicht im Griff halten laesst
Welche Katze ist 24 Stunden auf Rattenjagd? Vielleicht eine "Bauernhofkatze" die sich den größten Teil ihres Fressens selbst fangen muß, aber das überfütterte Viehzeugs das ansonsten durch die Gegend schlurft ist doch nicht im Stande einem Auto auszuweichen, geschweige denn eine Rattenpopulation wirksam im Zaun zu halten.

Nö nö, die Katzen heutzutage, ich sag`s euch... :wink: :wink: :wink:

Re: wieder eine kompostfrage

Verfasst: 11.07.2009, 03:51
von Gisela
Hallo ihr Kompostgärtner!
Ich habe mit Interesse Michls "Kloverwertung" gelesen. Ich war ja auch immer der Meinung, Düngung mit menschlichen Exkrementen im Gemüsegarten ist nicht geeignet, weil sie den Menschen krank macht. Als man im Krieg mit Latriene düngte, war die Bevölkerung verwurmt. Allerdings brachte man das Zeugs wohl unverarbeitet an den Schnittlauch. Das Beispiel der Tiere ist mir da vor Augen, die kein Gras fressen, das auf eigenen Kackfladen gewachsen ist.

Deine Kloverarbeitung, Michl, kann ich mir nicht so recht vorstellen, was ist mit Geruch und Fliegenplage?

Pfälzer hat geschrieben:Ich würde nichts auf den Kompost schmeißen was Ratten anziehen könnte. Am besten noch Zeugs aus der Küche, das dann schön in der Somme vor sich hingärt.
Man sollte nichts in der Sonne liegen lassen, alle Kompostzutaten werden immer gleich vermischt mit anderem, mehr (wenn Küchenabfälle) oder weniger (wenn frisches Grünzeug) mit Häcksel, sodass alles gut durcheinander kommt und dann abdecken und feucht halten.
Den ganzen Haufen lasse ich auch nicht einfach so sitzen. Je öfter man umsetzt, desto schneller geht die Rotte vor sich, weil dann alles zügig in eine gute Rottesituation gebracht wird, also was außen war, kommt nach innen und umgekehrt.
Zu einer zuverlässigen Heißrotte verhilft Stickstoff, den man entweder in Form von Mist oder Jauche (aus Brennnesseln und hartnäckigen Unkräutern wie Giersch und Ackerwinde) in den Kompost mischt. Nach kurzer Zeit beginnt der Haufen zu dampfen.

Ratten werden immer und überall da sein, wo menschliche Siedlungen sind, wo Tonnen stehen, in U-Bahnschächten, im Abwassersystem. Allerdings haben auch sie Feinde, wie Katzen und Marder, die ihr Vorkommen klein halten. Wenn man am Tag eine Ratte zu Gesicht bekommt, ist ihre Population gefährlich hoch und man muss sich überlegen, wieso das so ist, vielleicht, weil man zuviele Essensabfälle unzerkleinert auf den Kompost gekippt hat. Zutaten des Kompostes sollten immer in einem guten Verhältnis zueinander stehen, leicht Verrottendes größeren Anteil haben, als schwer Verrottendes, wie Holz z.B.
Wenn man Küchenabfälle gut zerkleinert und mit Häcksel oder trockenem Grünschnitt vermischt, vervielfachen sich die Angriffsflächen für die Mikroorganismen. In kürzester Zeit beginnt der Abbauprozess. Nach ein paar Stunden ist alles für die Ratten uninteressant geworden.

Gruß
Gisela

Re: wieder eine kompostfrage

Verfasst: 26.07.2009, 10:35
von Michl
Hallo Gisela,
Gisela hat geschrieben: Deine Kloverarbeitung, Michl, kann ich mir nicht so recht vorstellen, was ist mit Geruch und Fliegenplage?
Geruch, wenn immer gut abdeckmaterial dem Geschaeft hinterhergeworfen wird, entsteht eigentlich keiner. Sollte es doch einmal riechen, einfach ein paar Handvoll mehr drauf, und inerhalb kuerzester zeit riecht da nichts mehr. Wichtig ist, das das Abdeckmaterial saugfaehig ist, so das sich kein urin sammeln kann sondern immer gleich aufgesaugt wird.
Ich schmeisse (geruchsunabhaengig) ab und zu auch mal einen Eimer pelargonium-schnitt hinein. Dann riechts den ganzen Tag gut! :D

Fliegen, dasselbe, wenn immer gut abgedeckt wird eigentlich kein Problem. Im Sommer kanns mal passieren das sich die eine oder andere Fliege einschleicht, aber dann muss einffach nur oefters ausgeleert werden.
Wenn das ganze auf den Komposthaufen kommt, kommt ja eine Schicht Gruen- bzw Kuechenabfaelle drueber und ueber diese noch eine Schicht Strohhaechsel. Dann kommt da weder Geruch raus, noch eine Fliege rein.

Fazit, wenn Probleme auftauchen, dann nur im Sammelbehaelter und nie auf dem Komposthaufen.
Am besten ist es (so hatte ich das gemacht als es nur um die abfaelle von zwei Personen ging),
den Sammelbehaelter moeglichst klein zu halten und moeglichst haeufig zu leeren. Ansonsten muss man nur wert auf gutes Abdeckmaterial legen und die richtige Menge rausfinden.

Gemuesegarten, hat mich auch lange gebraucht, und alles was Roh verzeehrt wird (Moehren, Rettiche, Salate...) bekommt immer noch keinen. Aber all die Starkzehrer bekommen und danken es mir mit besten Ertraegen. Und ist mal ein Batch dabei bei dem ich mir nicht sicher bin bekommen ihn entweder die Obstbaeume, oder ich mische einfach bei jedem ausleeren wieder etwas in den aktiven haufen mit ein und das ganze kompostiert nochmal.

Offiziell heisst es das 24 Stunden bei 65Grad nichts an Wuermer in saemtlichen Entwicklungsstadien ueberleben laest.
Da wir noch zu den Subtropen zaehlen, und in recht unhygienischen Umstaenden leben (wir haben im Umkreis von 15km das einzigste Klo/Klopapier ueberhaupt) wimmelt es hier von internen Parasiten, und wir entwurmen midestens alle sechs Monate alle, Mensch, Hund, Katz, Ziege, Kuh...

Gruesse,
Michl