Sortenveränderung bei Tomate

Hier geht es um Anbaumethoden und Tipps bei Anbauproblemen
Antworten
Maren
Beiträge: 28
Registriert: 23.01.2007, 08:46
Wohnort: Marzabotto (Bologna), Italien
Kontaktdaten:

Sortenveränderung bei Tomate

Beitrag von Maren » 23.07.2008, 07:18

Guten Morgen,

ich baue seit vielen Jahren die Tomatensorte "Schwarze Russische" (oder, wie sie in Italien heißt "Nero di Crimea", d.h. die "Schwarze von der Krim") an, meine absolute Lieblingstomate. Da ich im letzten Jahr viele Verkreuzte dazwischen hatte, habe ich mich entschieden, mit neuem Saatgut neu anzufangen und habe über Dreschflegel 2 Tütchen bestellt. Mit einiger Ratlosigkeit und Besorgnis habe ich jetzt bei diesen Pflanzen aus neuem Saatgut einige Veränderungen festgestellt:
- Die Pflanzen sind sehr hoch geworden, bis zu 2 m, während sie sonst niedrig und kompakt waren.
- Die Blüten waren früher "rustikal", gefüllt, charakteristisch, während sie jetzt einfach, zart und normal sind.
- Die "Schwarze Russische" gehörte zu den spätreifenden Sorten, während sie in diesem Jahr die erste ist, die reife Tomaten liefert (kann allerdings auch damit zu tun haben, dass es die einzige Sorte war, die ich im Topf vorgezogen habe)
- Die Tomaten sind mehr eiförmig und kleiner, während sie vorher rund, leicht abgeflacht und groß waren
- die Farbe hat sich verändert: früher dunkelviolett mit dunkelgrünen Streifen an der Oberseite, jetzt braun-orange mit silbrig-dunklen Streifen im oberen Bereich
- Ob eine Geschmackveränderung eingetreten ist, kann ich noch nicht recht beurteilen, da ich bisher erst eine Tomate vollreif für die Saatprodukion geerntet habe.

Was ist da passiert? Ich würde eigentlich ausschließen, dass es hier zu einer Verkreuzung gekommen ist, da es die einzige Sorte war, die ich vorgezogen hatte, d.h. sie hatte einen gwissen Vegetationsvorsprung zu den direkt ins Freiland gesäten Sorten. Hat jemand von euch ev. ähnliche Beobachtungen mit den neuen Samen der Schwarzen Russischen von GK gemacht?
Ich würde es sehr bedauern, wenn beim Hersteller eine Verkreuzung eingetreten ist und kein "sauberes" Saatgut mehr vorhanden sein sollte, denn für mich war es gut und beruhigend zu wissen, dass es bei professional arbeitenden Personen immer sauberes Saatgut dieser und anderer Sorten gibt, wenn bei meiner Hobbygärtnerei ungewollt und trotz aller Vorsichtmaßnahmen (Abdeckung mit Flies während der Blüte) Verkreuzungen stattfinden sollten.

Wäre dankbar für eure Meinungen und Erfahrungen.

Viele Grüsse
Maren

s.alvia
Beiträge: 42
Registriert: 16.06.2008, 11:35
Wohnort: Ulm

Re: Sortenveränderung bei Tomate

Beitrag von s.alvia » 23.07.2008, 10:32

Hallo Maren,
ich würde solche Einkreuzungen auch nicht begrüßen und erwarte von einem professionellen Anbieter schon reines Saatgut. Oder wenigstens einen Hinweis auf eine mögliche Einkreuzungsgefahr.
Hab aber auch in einem anderen Forum die Erfahrung gemacht, dass ein "Profi-Anbieter" selbst gar nicht isolierte oder verhütete. Ging wohl davon aus, dass seine Sorten sich nicht verkreuzen. (?!)
Mein bisher erstandenes Saatgut gab keine Anläße für Beschwerden.

Maren,du kennst dich ja aus.
Vielleicht darf ich trotzdem für alle Interessierten zur Sortenerhaltung folgendes hinzufügen:
die Einkreuzung findet während der Blütezeit statt und macht sich dann erst beim nächstmaligen Anbau bemerkbar.
Falls keine Sortenverwechslung vorliegt ist eine evtuelle Einkreuzung beim Saatgutanbieter geschehen.
Es heißt dass Verkreuzungen bei Tomaten eher selten auftreten (am ehesten bei Kartoffelblättrigen). Will man aber sortenreines Saatgut gewinnen, muß man die Pflanze entweder isolieren oder die Blüten verhüten.
Leider schaff ich eine Bildererklärung dazu nicht direkt zu verlinken.
Also im Link auf "Techniken Saatgutgewinnung" gehen und dann das Bild "Einzelne Blüten isolieren" anklicken.
http://www.kraizschouschteschgaart.info ... index.html

Interessante Tomatenseiten sind hier zu finden:
http://mitglied.lycos.de/rkraft/favorite.htm

Leider hab ich dort auf die Schnelle deine Schwarze von der Krim nicht gefunden

Trotzdem Maren viel Freude und hoffentlich auch Genuß mit der "Falschen von der Krim"
Salvia

creanza
Beiträge: 8
Registriert: 16.01.2008, 19:51
Wohnort: Emmendingen
Kontaktdaten:

Beitrag von creanza » 23.07.2008, 13:15

Liebe TomatenanbauerInnen,
die Schwarze Russische ist NICHT die Schwarze Krim! Es gibt viele so genannte schwarze Tomaten aus den ehemaligen Sowjetrepubliken.
Gruß Jürgen

Biokrebs
Beiträge: 2
Registriert: 01.01.2007, 18:23
Wohnort: Thale
Kontaktdaten:

Beitrag von Biokrebs » 23.07.2008, 19:00

Hallo Maren.

Schwarze Russische und Schwarze Krim sind zwei unterschiedliche Sorten, deshalb ist es kein Wunder, dass Deine Schwarze Krim anders aussah als unsere schwarze Russische. Schwarze Russische hat braunrote, runde bis schwach ovale Früchte, Schwarze Krimm hat einen violetten Stich und ist abgeflacht.
Hier zeigt sich aber ein generelles Problem bei nicht zugelassenen Sorten, die Namen sind letztendlich Schall und Rauch. Jeder kann sie verändern, am häufigsten geschieht dies, wenn die Namen nicht exakt in andere Sprachen übertragen werden.

Tschüss

G. Krebs

Maren
Beiträge: 28
Registriert: 23.01.2007, 08:46
Wohnort: Marzabotto (Bologna), Italien
Kontaktdaten:

Beitrag von Maren » 24.07.2008, 07:03

@ Salvia
Vielen Dank für deine Antwort und den interessanten Link! Ich hatte bisher immer ganze Pflanzen abgedeckt, und zwar diejenigen, die ich als die besten und kräftigsten empfunden habe. Das Problem war dann, dass sie unter der Abdeckung schlechter wuchsen als die freiwachsenden Tomaten und ich dann vor dem Dilemma stand, ob ich Samen von den abgedeckten, aber am Ende weniger schönen Pflanzen nehmen sollte oder von den nicht geschützten, aber viel kräftigeren... Werde mal versuchen, diese kleine Fliestütchen zu bekommen. Hast du zufällig einen Tipp, wo man die (Versand) bekommt? Hier in Italien dürfte es schwierig sein, hab sie hier noch nie gesehen. Für dieses Jahr ist es ognehin zu spät, werde wohl im nächsten Jahr mit neuen Samen neu beginnen müssen.

@ Jürgen und G. Keil
Vielen Dank für euren Hinweis! Ich hatte in der Vergangenheit über Dreschflegel die "Schwarze Russische" und in Italien die "Schwarze von der Krim" bezogen und hatte bisher keine Unterschiede festgestellt. Ist ja schon mal gut zu wissen, dass es sich nicht um die gleiche Sorte handelt, zumindestens gebe ich die Samen so nicht unter falschem Namen weiter.
"Soll" die Schwarze Russische also so hoch werden?
Werde dann wohl im nächsten Jahr den Bereich der schwarzen Tomaten mit neuen Samen neu beginnen müssen, um die beiden Sorten auseinanderzuhalten.

Vielen Dank für eure schnellen Antworten und liebe Grüsse
Maren

s.alvia
Beiträge: 42
Registriert: 16.06.2008, 11:35
Wohnort: Ulm

Beitrag von s.alvia » 24.07.2008, 10:33

Hallo Maren,
ich nehme ganz einfache Teefiltertüten. Klappt gut, wenn es nicht all zuviel regnet, bzw die Pflanzen geschützt stehen.
Mich würden deine/ eure Erfahrungen mit den schwarzen Früchten interessieren. Welche eignen sich für Kübel/ Freiland/ Braunfäuleanfälligkeit etc.? Welche Sorten könnt ihr weiterempfehlen?
Gruß Salvia

Maren
Beiträge: 28
Registriert: 23.01.2007, 08:46
Wohnort: Marzabotto (Bologna), Italien
Kontaktdaten:

Beitrag von Maren » 24.07.2008, 10:46

Hallo Salvia,

ich baue seit Jahren immer die "Schwarze von der Krim" (in Italien gekauft) bzw. die bei Dreschflegel gekaufte "Schwarze Russische" (hatte bisher nie den Unterschied gemerkt, ist das erste Mal, dass sie so hoch wird und auch von der Farbe her anders ist) an.
Ich bin jetzt etwas verunsichert, wenn ich davon ausgehen muß, 2 versch. Sorten angebaut zu haben. Wie auch immer, meine Erfahrungen mit den "schwarzen" Tomaten sind sehr gut, ist meine Lieblingstomate, sehr saftig, süß, geschmackvoll. Hab sie immer im Freiland angebaut und bei dieser Tomate keine Probleme mit Braunfäule gehabt, ist vielleicht in regenreicheren Gebieten ein größeres Problem.
Ich werde versuchen, von der "Schwarzen Krim" neues, garantiertes Saatgut zu finden, um dies dann im nächsten Jahr anzubauen.
Danke für den Tipp mit den Teefiltertüten.

Tschüss
Maren

Antworten