Anzuchterde selber herstellen

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Artemisia
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Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von Artemisia » 14.02.2019, 21:04

Hallo an alle Gemüsegärtner, ich ziehe meine Gemüsepflanzen fast alle selbst, dabei verbrauche ich eine Menge Anzuchterde. Diese kaufe ich bisher im Handel, ich würde sie gerne selbst mischen/herstellen.
Das, was ich aber bisher dazu gelesen und gehört habe, hat mich nicht überzeugt. Die Vorstellung, die Erde/Kompost stark zu erhitzen, finde ich grauslich! Oder überleben die Mikroorganismen den Kochvorgang?
Wer hat damit Erfahrung? Und wie machen das die Dreschflegelgärtner?
liebe Grüße
Artemisia

forumadmin
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Re: Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von forumadmin » 15.02.2019, 12:44

Hi Artemisia
Ich erhitze meine Erdmischungen nicht. Ich denke die Wirkung und die möglichen Schäden von nicht gedämpften Erden werden masslos überschätzt. Die Erhitzung soll ja zum einen Schädlinge und Pilze vernichten und zum anderen Beikrautsamen abtöten, so dass die Keimlinge zum einen nicht erkranken und zum anderen nicht von Beikraut überwuchert werden. In meiner nun 30jährigen Gärtnerzeit ziehe ich jedes Jahr viele Pflanzen in Töpfen vor und nur zwei mal ist es mir passiert, dass die Tomatenjungpflänzchen die "Umfallkrankheit" hatten, also irgendwelche Schwärzepilze da dran waren. Aber da ich sofort alle noch lebendigen Pflänzchen umgetopft hatte, hatte ich keinen Verlust. Und im Freiland hatte ich noch nie einen Totalverlust. Das zeigt mir, dass im Boden ein gewisses Gleichgewicht herrscht zwischen fördernden und hemmenden Kräften, denn mit dem Dämpfen der Erde werden ja nicht nur die "schlechten" sondern auch die "guten" Bakterien, Pilze etc vernichtet. Außerdem ist es ja unser Anliegen, die Pflanzen selber robuster zu machen, also die pflanzeneigenen Abwehrkräfte zu stärken. Was das aufkeimende Beikraut angeht ist es allerdings schon ratsam die kleinen Keimlinge zu erkennen um nicht die falschen aus dem Topf zu entfernen.

Ich mache mir meine Erden selber. Eine reichhaltige Erde entsteht aus Pferdemist mit Zuschlagsstoffen, eine mittlere aus dem Hauskompost zusammen mit sonstigen Pflanzenresten eine dritte eher ärmere Erde aus kohlenstoffreichen Dingen wie Laub und Sägemehl, dies braucht allerdings etwas mehr Zeit. Der Pferdemist erhitzt am Anfang schon mal stark, die anderen Komposte machen eher eine kalte Kompostierung durch. Mitunter hab ich mal einen Bio-Kompost mit viel Kokosfaser zugekauft, um die Erden etwas faseriger zu machen. Aber man kann auch die reine Kokosfaser gepresst kaufen, einweichen und den eigenen Erden beimischen, das hält nachher den Wurzelballen besser zusammen.
LGLudwig

Artemisia
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Re: Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von Artemisia » 19.02.2019, 19:36

Hallo Ludwig, danke für deine Antwort. Ich werde es heuer bei einigen aussaaten probieren. Ich fange mal bei einfachen Kulturen, die schnell keimen an!
Viele Grüße aus der frühlingshaften Südoststeiermark
Artemisia

liaam
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Re: Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von liaam » 24.02.2019, 16:14

bei meinem Gemüse treibe ich auch keinen sonderlichen Aufwand.

Nur bei Tomaten schaue ich drauf, daß da nichts dabei ist (Erde, Töpfchen, später Kübel + Stäbe), das im Jahr davor mit Tomaten in Berührung kam. Obs den Aufwand braucht, weiß ich nicht, aber braunfaule Tomaten kommen bei mir vor Mitte/Ende September nicht vor. Das scheint mir mein Vorgehen zu rechtfertigen.


Den habe ich getrieben, als ich mich vor Jahrzehnten eine Weile mit Kakteen beschäftigt habe - die sind in der Aufzucht extrem mimosig, da hatte ich mehrmals Totalausfälle.
Bis ich dann einen Kollegen kennengelernt habe, der alles, wirklich alles (Erde, Töpfe, Werkzeug) durch einen alten Klinik-Sterilisator gejagt hat.
Damit gingen die Ausfälle fast gegen Null.

Lg
GeO

Artemisia
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Re: Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von Artemisia » 24.02.2019, 19:37

Hallo liaam, durch einen Sterilisator will ich meine Erde nun nicht bearbeiten🙈. Verwendest du denn bei den Tomaten jedes Jahr eine komplette neue Ausstattung?
Liebe Grüße artemisia

liaam
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Re: Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von liaam » 25.02.2019, 18:28

Artemisia hat geschrieben:
24.02.2019, 19:37
Hallo liaam, durch einen Sterilisator will ich meine Erde nun nicht bearbeiten🙈. Verwendest du denn bei den Tomaten jedes Jahr eine komplette neue Ausstattung?
Liebe Grüße artemisia
Nein nichts Neues, nur halt nicht das, was direkt im Jahr davor mit Tomaten in Berührung kam.
Bzw. bei den Stäben, die streiche ich mit Ballistol ein, soweit ich die nicht durchtauschen kann.

Hab auch noch einen Beutel mit Kupfervitriol hier, aber immer noch keine genaue Anweisung in welcher Konzentration ich das anmischen sollte gegen Pilzbefall auf den Stäben?!

lg
GeO

Artemisia
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Re: Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von Artemisia » 08.03.2019, 18:46

Ok,verstehe! Mit Kupfer hab ich gar keine Erfahrung. Sorry!
Liebe Grüße Artemisia

Artemisia
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Re: Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von Artemisia » 15.05.2019, 16:27

Hallo ans Dreschflegelforum, ich will euch über meine Aussaaterfahrungen mit selbst gemischter Erde informieren.
Grundsätzlich bin ich zufrieden mit der Erde. Hab Sand, Mutterboden und gut umgebauten Kompost gemischt und gesiebt. Wurde nicht zu fest, hat die Feuchtigkeit gut gehalten.
Ob aber die zum Teil nicht so guten Keimraten an der Aussaaterde lagen, kann ich nicht beurteilen.
Ich werde aber in jedem Fall weiter daran arbeiten, spart eine Menge Zeit, die gekaufte Erde reicht ja nie und so war ich immer unterwegs um neue zu besorgen und Geld spart man natürlich auch.
Es grüßt aus dem verregneten Österreich
artemisia

platanthera
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Re: Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von platanthera » 17.05.2019, 20:48

Hallo Artemisia,
ich nehme einfach das, was da ist: Gartenerde und Mistkompost, grob gesiebt, ungefähr im Verhältnis 1:1 - wenig Aufwand, keine Kosten, kein Plastikmüll, funktioniert wunderbar. Ich muss nur hin und wieder mal jäten..
Mag sein, dass man bei dieser Methode ein bischen mehr Saatgut braucht als bei Verwendung spezieller Anzuchtsubstrate. Dafür haben die Jungpflanzen dann später beim auspflanzen aufs Beet weniger Stress. Von sterilen Substraten halte ich nichts.

viele Grüße, Frank

roselyrose
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Re: Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von roselyrose » 17.05.2019, 23:24

Liebe Dreschfleger*innen,
bin zum ersten Mal hier, habe ein paar Antworten und viel Fragen, nachdem ich seit ungefähr 13 Jahren die Dreschfelgelsamen nutze.
Als Saaterde mache ich eine Mischung aus 2/3 Maulwurfserde (natürlich ohne Pestizide), 1/3 Sand, 1/3 Kompost. Funktioniert seit Jahren gut. Nach dem Pikillieren Gemisch aus Gartenerde und Kompost.
Weiter nix.
Unsere Gartenerde ist sandhaltiger Lehm, der manchmal zu fest ist. In diesem Jahr habe ich gekaufte Erde (ohne Torf) beigemischt, damit die Erde nicht so fest wurde.
Vielleicht habt ihr bessere Ideen dazu?

forumadmin
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Re: Anzuchterde selber herstellen

Beitrag von forumadmin » 18.05.2019, 07:06

Die Erden, die man kaufen kann, halte ich für schlechter als die Erden, die man selber mischen kann. Die wirtschaftlich arbeitenden Firmen schauen vor allem darauf, dass der Sack vor allem billiges Material enthält. Und ich bin mir nicht sicher, ob nicht z.B. Kompost aus Kläranlagen und Hausmüllkompostierungsanlagen dabei ist.Vor Jahren gab es mal einen Skandal, weil in Bio-Komposten Lederreste mitverkompostiert wurden und das CVhrom aus der Ledergerbung dann da mit drin war. Wer sich selber seinen Kompost mischt, weiß was drin ist. Ich hab meinen Küchenkompost (mit Gartenabfällen) sowie einen Pferdekompost und einen sehr Nährstoffarmen Sägemehl- und Laubkompost. Wenn Fasermaterial fehlt kommt Kokosfaser mit rein. In den Komposten sind auch Kalk und Basaltmehl. Und da diese Mischung immer zu locker ist, kommt Lehm aus dem Garten mit dazu und auf keinen Fall Sand, da sonst die Topfballen beim Pflanzen auseinanderbröseln.
LGLudiwg

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