Hirse

Hier geht es um Anbaumethoden und Tipps bei Anbauproblemen
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fliegen
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Hirse

Beitrag von fliegen » 11.09.2018, 11:00

Moin,

Ich würde gern für meine Abschlussarbeit der Freien Ausbildung nächstes Jahr Hirse anbauen. Da ich Gärtner bin und es ein Getreide ist und eher in den Acker gehört, und weil ich von der sache keine Ahnung habe, habe ich schon in diesem Jahr ein Anbauversuch gemacht, der mittlerweile ziemlich ausgeartet ist. Also: auf etwa 100m², in drei Sätzen und allen möglichen Variationen. Standort: Hof Bienenwerder, östlich von Berlin. Boden: sandiger Sand, mit überraschend viel Humus (sagte mal ein Bodenkundler). Klima: extrem trockenener und heißer Sommer 2018. 1. Satz: Fingerhirse, Tef, Rispenhirse "Bernburger", Kolbenhirse "Herbstfeuer", Mohrenhirse (Sorghum) (weder im Quickpot noch in der Erde gekeimt. sehr seltsam!) (Saatgut alles von Dreschflegel). Teilweise in Quickpots vorgezogen (ende Mai), was ein Fehler war. Die Vorgezogenen Pflanzen waren verwöhnt, langsam, sind dann fast vertrocknet, mussten durch viel Gießen wiederbelebt werden. Gepflanzt + den Rest direkt gesät mitte Juni (bester Zeitpunkt!). 2. Satz: Kolbenhirse "Empire" (Dreschflegel), Rispenhirse "Favorit" (aus Ogrosen, die gängige Anbausorte in Brandenburg). Alles direkt gesät (mitte Juli), mit der Hand. Ein kräftiger regen, danach trocken und heiß. Top aufgegangen. 3. Satz: Rispenhirse "Braushirse" aus dem Boladen, mit diversen Sätechniken: sämaschine, reihe von Hand, und streuen (Mitte August). Einmal angießen, bisschen regen, dann wieder recht trocken. Ging gut auf, aber lückenhaft, vor allem das Gestreute. Sämaschine am besten.
Eigentlich war das Ziel dieses Jahr, die Hirse zu vermehren, und zu gucken, ob's wächst, und ob ich's brauche. Aber diese kleinen Fragen wurden doch recht umfangreich. Was ich dann eigentlich will: Speisehirse gärtnerisch anbauen und vom Samen auf dem Teller begleiten. Verschiedene Sätze habe ich gemacht, um Raum für Experimente zu haben und um Verkreuzung zu vermeiden (die drei Rispen- und zwei Kolbenhirsen), allerdings blüht Hirse teilweise nach, also wird es vor allem im 2. Satz eine Verkreuzung geben. Aber ich habe noch ein Sack aus Ogrosen hier liegen, reicht noch für Jahre... So und jetzt lade ich ein paar Fotos hoch, und danach kommen meine zahlreichen Fragen.

fliegen
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Re: Hirse

Beitrag von fliegen » 11.09.2018, 11:29

So sah's am Anfang Juli aus:
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Das war dann Mitte August:
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Risenhirse Ende Juli
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Rispenhirse Mitte August (1. Satz)
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Kolbehirse "Herbstfeuer", Mitte August
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So sieht der Spaß jetzt aus:
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Zweites Satz, die Rispen vorne (heute):
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Die Rispen (schon reif?)
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fliegen
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Re: Hirse

Beitrag von fliegen » 11.09.2018, 11:45

Fragen über Fragen. Anbauen ist das eine, aber verarbeiten ist das andere. Manchmal denke ich, es wäre besser, mich für Linsen oder so zu entscheiden. Aber hirse finde ich spannender und die schmeckt mir besser. Also los.
1. Warum keimte denn die Morhenhirse nicht? Was das nicht flach genug gesät? Hätt ich sie einfach nur ganz knapp übersteuen sollen? Am Wasser und Kälte lags auf jeden fall nicht.
2. Fingehirse und Tef. Muss man die entspelzen? Vor allem bei Tef stell ich mir das sehr qualvoll vor (winzige Samen). Und dann: kann man das essen? In welcher Form, als Brei oder als gekochte Körner? Ich werd das natürlich noch alles ausprobieren, aber vielleicht gibt's Erfahrungswerte.. Evtl. baue ich sie nächstes Jahr nicht an, vor allem bei Tef kommen nicht viele Samen zusammen, und Fingerhirse... naja, wenn's schmeckt und wenn ich die kleinen Samen nicht entspelzen muss (oder leicht entspelzt kriege).
3. Reife. Wie kann ich die Reife bei der Hirse bemerken? Wenn die Körner sich beim Zubeißen hart anfühlen? Wenn die Körner leicht ausfallen? Kann ich das an den Pflanzen sehen? Ist auf den Fotos irgendwas reif? (die Kolbe zum Beispiel.) Dann dachte ich zum Thema Nachreifen: es gibt ja Grünreife und Milchreife. Also wenn ich die Körner etwas zu früh ernte, reifen sie dann nach und sind im top Zustand? Oder ist zu früh geerntet (zum beispiel Risenhirse 2. Satz, jetzt) nicht so gut? Erstens zum essen zweitens als Saatgut. Da kann es Unterschiede geben. Als Saatgut könnte ich ja jetzt schon ein Keimtest machen.
4. Entspelzen. Der größte Kopfschmerz. Ich mach das ja im Garten und per Hand. Zur Not kann ich das ja irgendwohin einschicken oder so. Aber schöner ist es, das selber hinzukriegen. Ich hab zuhause eine elktrische Getreidemühle (grobe Einstellung), aber ich will sie nicht unbedingt verstopfen. Eine mechanische verstllbare Kornqutsche, normalerweise für Haferflocken, habe ich auch. Da könnt ich's auch mit der grobn Einstellung versuchen. Ich könnte auch ein Mörser nehmen, oder mit Glas oder Gummischeiben experemetieren. Aber vielleicht hat jemand ein Tipp? Dreschen und Reinigen ist auch interessant, aber finde ich machbarer als entspelzen.

Zur Zeit lagern einige Napfkisten voller trocknenden Hirsepflanzen auf dem Dachboden. (1.Satz, geerntet Ende August). Vor allem üppig ist die Fingerhirse geworden, Rispenhirse ist im ersten Satz schlecht gekeimt, deswegen wenig (zum Vermerhren reicht's), und die Kolbenhirse ist der absolute Meister im der Ernteleichtigkeit, und nimmt nur eine 1,5er Napfkiste Platz (Kolben abgeschnitten), wo die Fingerhirse so 5 3,5er Kisten einimmt. Ich freue mich schon auf die Ernte vom 2. Satz! Bin noch unsicher, wann. Hoffentlich vor den Vögeln ;) (bisher waren sie kaum ein Problem, nur den Tef hat immer wieder irgendwer mal 10 Pflanzen abgefressen).

Und sowieso: Adressen und Buchtipps sind sowieso willkommen.
Das Ergebnis sieht man dann spätstens im Februar 2020 auf meinem Abschluss, und hoffentlich habe ich bis dahin nichts teueres kaputt gemacht und niemanden vergiftet :D

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Re: Hirse

Beitrag von creanza » 03.12.2018, 11:22

Hallo lieber Hirsentester, deine Fragen umfangreich. In so einem Fall solltest du dich direkt an die jeweiligen Anbauer wenden. Jürgen von Df
JW

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Re: Hirse

Beitrag von forumadmin » 15.12.2018, 14:32

Hallo
Fingerhirse, wurde auch schon mal angebaut, aber nur minimal. Aber es war sicher so wie mit einigen anderen Wildgräsern wie Mannaschwaden und Flattergras. Dort wo sie in größeren Beständen wuchsen, wurden sie wild gesammelt und dann zerstossen und das Mehl als Brei, meist als Milchbrei gegessen. Noch Anfang des letzten Jahrhunderts wurde in den norddeutschen Tiefebenen Mannaschwaden gesammelt und pfundweise auf Bauernmärkten verkauft.

Teff ist das Nationalgetreide von Äthiopien, welches nur dort tradtionell zum Injera-Fladen verbacken wird. Die weißsamigen Sorten gab es nur für die Oberschicht, die anderen Sorten fürs Volk.

Hirse hab ich zum ausprobieren nur einmal angebaut. Wie heutzutage die Körner entspelzt werden ist mir nicht bekannt. Aber ich gehe davon aus, dass sie wohl auch hierzulande vor allem als Brei gegessen wurde. Wenn man die Samen zerstösst, dann zerfällt der Samen, während der Spelz relativ zäh ist und deshalb größer bleibt und abgesiebt werden kann. Eine Spekulation meinerseits ist, dass man es, wenn man das ganze Korn erhalten will, vielleicht mal mit einer Methode versuchen kann, die bei anderen Spelzgetreiden angewendet wird. Dazu werden die Körner nass gemacht, so dass möglichst nur der Spelz befeuchtet wird. Dann werden sie in einer Pfanne bei ständiger Bewegung geröstet, so dass der Spelz mürbe und brüchig wird und durch leichtes Reiben zu entfernen ist.

LGLudwig

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